Die Brenztalbahn: Bericht zum Gesetz von 1862

Bericht der volkswirtschaftlichen Kommission

betreffend den bau weiterer Eisenbahnen in der Etatsperiode 1861/64

Berichterstatter: Moritz Mohl;

Mitberichterstatter: Frhr. v. Varnbüler.

 

Ausgegeben den 1. Juni 1861.

 

Mittelst Note des Königlichen Finanzministeriums vom 4. Mai 1861 ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Bau von Eisenbahnen in der Finanzperiode 186164, dem ständischen Ausschusse übergeben worden.

Nachdem dieser denselben mittelst Schreibens vom 11. Mai 1861 der volkswirtschaftlichen Commisfion zugewiesen, hat letztere über denselben Folgendes zu berichten.

 

Die Bahnstrecke Aalen-Heidenheim.

 

Diese Bahnstrecke (Gesetz vom 17. November 1858 über die Ausdehnung des Eisenbahnnetzes, Artikel 2a) kommt unter drei Hauptgesichtspunkten in Betracht:

a.) in erster Linie gewährt sie dem Industriebezirke des Brenz- und oberen Kocherthales ? einem der bedeutendsten des Landes ? die längst als dringendes Bedürfniß erkannte und ersehnte Verbindung mit dem württembergischen und deutschen Eisenbahnetze, und vermittelt zugleich einen ungemein bedeutenden Lokalverkehr;

b.) verschafft sie einer Hauptbahn des Landes, der Cannstatt-Nördlinger, einen reichen Zu- und Abfluß an Personen und Gütern, und

c.) ist sie ein Verbindungsstück in der Linie Heilbronn-Crailsheim-Ulm, deren Ausbau wenigstens von Heilbronn bis Heidenheim oder Giengen in dem Staatsvertrage über den Eisenbahnanschluß bei Nördlingen kein zeitliches Hindernis entgegensteht.

Was den fraglichen Industriebezirk betrifft, so ist derselbe bei der von der Königlichen Staatsregierung zum Bau beantragten Linie Aalen-Heidenheim theils unmittelbar theils mittelbar betheiligt.

Vor Allem die Stadt Heidenheim, welche mit Baumwollspinnerei, Strickgarnzwirnerei, mechanischer Schlichterei, Maschinenweberei in Baumwolle, einer Reihe sehr bedeutender Manufakturgeschäe in Baumwollhandweberei, die ihre Weber großentheils auf der Heidenheimer Alb haben, mit Baumwollen- und Linnenbleicherei, Türkischroth- und anderer Färberei, Kattundruckerei, Appretur von Baumwollengewebe, Schafwollspinnerei, Tuchfabrikation und Weberei anderer Wollstoffe, Papierfabrikation, Gerberei, Tabak- und Cigarrenfabrikation, Maschinenfabrikation, Fabrikation von feuerfesten Backsteinen und von Drainageröhren im Großen u.s.w., eine unserer ersten, rührigsten und aufstrebendsten Fabrikstädte ist. Die hauptsächlichsten Fabrikanten von Heidenheim beschäigen gegenwärtig, einschließlich ihrer Weber auf dem Lande, 2427 Arbeiter, was eine Andeutung von dem Umfange des dortigen Fabrikbetriebes gibt.

Die Bedürfnisse dieser Manufakturstadt und ihrer sogleich zu erwähnenden industriellen Nachbarorte an Steinkohlen, Metallen, roher Baumwolle und Schafwolle, an Garnen, an Farbhölzern und anderen Farbstoffen, an Lumpen, Häuten etc., die Zu- und Abfuhren an Geweben, Garnen, Papier, Leder, Ziegeleiwaaren, Drainageröhren u.s.w., kurz an Gewerbsbedürfnissen und Erzeugnissen sind ungemein bedeutend. Heidenheim besitzt neben den Wasserkräen der Brenz bereits 11 Dampfmaschinen von 6,8,12,20,24,25 u.s.w. Pferdekra, bezieht heuer 120,000 Ctr. Steinkohlen, und wird nach der Versicherung der dortiger Fabrikanten wegen der gestiegenen Holzpreise jedenfalls über 200,000 Ctr. Steinkohlen beziehen, sobald es eine Eisenbahn hat. Bedeutend sind die Bezüge Heidenheims an Bauholz und Schnittwaren aus dem Kapfenburger und Ellwanger Forst, da die Umgegend von Heidenheim im Wesentlichen nur Buchenholz erzeugt.

An Gypssteinen sollen über Heidenheim, Giengen und das untere Brenzthal auf der Route von Aalen her (aus dem Oberamte Crailsheim kommend), theils für den Bedarf der Gegend, theils nach Bayern mindestens 100,000 Ctr. gehen. Mit dieser Notiz von Heidenheim stimmt auch die von Aalen überein, wonach im Frühjahr (von Weihnachten bis Georgii) alle 8 Tage 10 vierspännige Fuhren Gyps über Aalen nach Heidenheim und Route gehen.

Dagegen gewährt der bedeutende Eichenbestand der Gegend von Heidenheim eine Ausfuhr an Nutzholz; auch wird wahrscheinlich ein namhaer Versandt von Buchenholz in's Unterland eintreten und durch Steinkohlenbezüge für gewerbliche Zwecke ersetzt werden.

Ein anderer beträchtlicher Verkehr war von jeher der in Getreide, namentlich aus dem Bayrischen von Lauingen kommend und durch Heidenheim in's Fils- und Neckarthal gehend. Dieser die Stadt durchpassierende Getreideverkehr (50,000 Ctr.) ist unabhängig von dem Schrannenverkehr zu Heidenheim. Der Getreideabsatz der Heidenheimer Alb sowie der Gegend des unteren Brenzthals und des benachbarten Neres-heim'schen und die Zufuhren aus benachbarten fruchtbaren Donauthale werden voraussichtlich, sobald Heidenheim eine Eisenbahn haben wird, die schon jetzt nicht unbedeutende Heidenheimer Schranne, deren gegenwärtiger Verkehr 80,000 Centner jährlich beträgt, zu einem ansehnlichen Schrannenplatze erheben, von welchem aus die Eisenbahn einen bedeutenden Getreidezuuß haben wird.

Die Brauereien der Stadt brauchen 100,000 Simri Malz, 800 Ctr. Hopfen, 800 Ctr. Harz und 3000 Klr. Holz.

Gewissermaßen zu den industriellen Vorstädten Heidenheims gehörend sind die Orte von da abwärts an den Wasserkräen der Brenz gelegen: Mergelstetten, Bolheim, Anhausen, Herbrechtingen, Giengen, mit ihren Baumwollen- und Wollenspinnereien, großartiger (Zoeppritz'scher) Fabrikation von Teppichen, Flanelle etc., Fabrikation von Baumwollgeweben, Wollfilzmanufactur, Tuchmacherei, Färberei, Gerberei, Leimfabrikation, Papierfabrikation, etc.

Soll auch die Eisenbahn nach dem vorliegenden Regierungsantrag vorerst nicht bis Giengen , sondern nur bis Heidenheim sich erstrecken, so zieht sie doch auf dem Bahnhofe zu Heidenheim alle diese Fabriken in den Kreis ihrer Dienstleistungen und ihres Verkehrs.

Die Gebrüder Zoeppritz zu Mergelstetten und Neubolheim beschäigen in ihren Wollmanufacturen (Spinnereien, Webereien und Appreturanstalten) allein 1005 Arbeiter. Die Großgewerbe zu Giengen haben 588 Arbeiter.

Zwei Kunstmühlen im Oberamte Heidenheim, an der unteren Brenz, zu Brenz und Hermaringen, versenden den größten Theil ihres Mehlerzeugnisses ins Unterland.

Ein Haupttransportgegenstand ist schon jetzt und wird durch eine Eisenbahn natürlich in hohem Grade werden: der Torf aus dem unteren Brenz- und dem nahen Donauthale. Wie die Torffelder dieser Gegend ungeheuere Massen Torfes auf die bayrischen Eisenbahnen liefern, so werden die voraussichtlich auch ein wichtiges Material für die württembergischen werden.

Wendet man sich aber von Heidenheim auf der anderen Seite flußaufwärts, so ist gleich der nächste Ort an der beantragten Eisenbahnlinie: Schnaitheim, einer der Hauptsitze einer bedeutenden Industrie, der Fabrikation des sogenannten Heidenheimer Töpfergeschirrs, welche ihren Thon theils aus dem benachbarten, gegen Königsbronn zu ebenfalls an der künigen Eisenbahnlinie liegenden Orte Aufhausen, theils aus der Nähe von Großkuchen auf dem Hertsfelde, theils vom Zahnberg bei Königsbronn bezieht, und deren Töpfergeschirr einen beträchtlichen Handels-artikel nicht nur in Württemberg, Bayern, Baden, sondern selbst nach der Schweiz, Oestreich und Oberitalien bildet. Für diese Industrie, welche ihre Sitze im Oberamte Heidenheim zu Giengen, Bohlheim, Mergelstetten, Heidenheim, Schnaitheim, Steinheim, Aufhausen, Königsbronn und Zang, im Oberamt Aalen zu Oberkochen, hat, wird es unschätzbar sein, ihre schwere Waare auf den Stationen zu Heidenheim, Schnaitheim, Königsbronn, Oberkochen, auf Eisenbahnwägen laden und so auf die weitesten Entfernungen durchlaufen lassen zu können. Ebenso wichtig aber kann es für dieselbe werden, Steinkohlen auf der Eisenbahn zu beziehen.

Eine als Transportgegenstand noch weit bedeutendere Fabrikation längs der künigen Heidenheim-Aalener Eisenbahnlinie ist die Verfertigung feuerfester Backsteine aus den quarzreicheren Thonschichten der Töpferthongruben, welche in großem Umfange zu Heidenheim, Königs-bronn, Ochsenberg, Niesitz, Rothensohl, Oberkochen, Unterkochen, Aalen, Wasseralfingen zum Absatze auf weite Entfernungen betrieben wird und eine massenhae Versendung ihrer Erzeugnisse, namentlich nach Bayern, Oestreich, und andererseits nach Stuttgart, Heilbronn, etc. hat. Ein einziger Töpfer zu Aalen, welcher auch feuerfeste Backsteine fabriziert und zugleich mit solchen von anderen Fabrikanten handelt, hat schon 100-120,000 Stück (zu 10-12 Pfund ? 10,000 bis 14,400 Ctr.) per Jahr von solchen Backsteinen versandt, während auch andere, z.B. die mit einer Dampfmaschine von 6 Pferdekraft arbeitende Fabrik feuerfester Backsteine zu Heidenheim, dieses Geschäft großartig betreiben.

Außer der Versendung von Töpfergeschirr und von feuerfesten Backsteinen sindet aber auch eine bedeutende Versendung an Töpfererde und Erde für die Fabrikation feuerfester Backsteine sowohl auf der Linie Heidenheim-Aalen selbst, als weiter, für die Töpfergeschirrfabrikation in anderen Theilen des Landes, für die ansehnliche Fabrikation feuerfester Backsteine durch einen Ziegeleibesitzer zu Wasseralfingen u.s.w., statt.

Ein anders großartiges Gewerbe zu Schnaitheim ist das Brechen und Bearbeiten von Bau- und Werksteinen durch 90-100, nach anderen Angaben durch eine noch viel größere Anzahl von Arbeitern. Diese Steine und Steinhauerarbeiten gehen theils nach Ulm und Augsburg, theils nach Nördlingen, Nürnberg etc. und ein namhaer Theil derselben wird der Eisenbahn zum Transport zufallen. Ein Theil dieser Steine wird in Schnaitheim zu Maischkästen, Pferde- und Rindvieh-Barnen u.s.w. verarbeitet und besonders nach Bayern versandt. Es sollen durchschnittlich täglich 200 Centner, jährlich 60,000 Centner von den Steinhauermeistern zu Schnaitheim versandt werden.

Die nächsten Orte, welche die Eisenbahn berühren wird, sind Itzelberg und Königsbronn, mit einem Hochofen, Hammer- und Walzwerk, einer Privatfabrikation feuerfester Backsteine, sowie mit anderen Gewerben. Der Hochofen verhüttet 3/4 Stuferz aus der Erzgrube bei Aalen, und 1/4 Bohnerz von Oggenhausen und Nattheim, welches letztere (das Bohnerz) über Heidenheim geführt wird, und zwar etwa 76,000 Ctr. Stuferz und 24,000 Ctr. Bohnerz. An Formsand bezieht der Hochofen zu Königsbronn 5850 Ctr., theils von Oggenhausen über Heidenheim, theils von Hüttlingen über Aalen und von Aalen. An Steinkohlen bis jetzt bloß für den Weißofen 2200 Ctr. Sein Laubholzkohlenbedürfniß (8000 Zuber zu 210 Pfd.) liefern ihm die umliegenden Reviere und sind diese Bezüge nicht für die Eisenbahn zu rechnen. Dagegen kommen seine Nadelholzkohlen mit 34,000 Zuber zu 120 Pfd. ? 40,800 Ctr. über Aalen aus den Ellwangen'schen Waldungen auf der künigen Eisenbahnlinie. Dazu Bezüge an alt Eisen, an Drehspänen (500 Ctr.) von

Eislingen u.dgl.. Der Verkauf der Gußwaaren, zum Theil nach Bayern, beträgt 9000 Ctr., wovon der größte Theil auf die Eisenbahn kommen wird; der Absatz von Schmied- und Walzeisen 16,000 Ctr. jährlich; an Masseln nach Erlau (Unterkochen) in einzelnen Jahren 1200 1500 Ctr.. Im Ganzen hat das K. Hüttenwerk Königsbronn mit Itzelberg (nach Abrechnung seiner Bezüge an Laubholzkohlen) immerhin einen Gesamtbezug und Versandt von wenigstens 180,000 Centner, von welchem es sich allerdings theilweise erst zeigen muß, in wie weit er dem Eisenbahntransport anheim fallen wird

Die Salinenverwaltung hat eine Salzlegstätte zu Königsbronn, von welcher bis jetzt jährlich 8000 Centner in die Umgegend von Königsbronn, sowie nach Nersheim, Heidenheim, Giengen und Hermaringen, weiter 15,000 Centner aber über Heidenheim nach Ulm gelangten, während andere 15,000 Centner von Wilhelmsglück über Süßen nach Ulm giengen. Gesichert sind hievon der Aalen-Heidenheimer-Route jedenfalls die ersten 8000 Centner, während die Folge zeigen wird, ob und was von den übrigen 30,000 Centner derselben bleiben oder zufallen sollte.

Ein chemische Fabrik von G. Voeth u. Komp. zu Königsbronn, welche Holz im geschlossenen Raume verkohlt und Essigsäure, Bleizucker, holzsaures Eisen etc. liefert, auch Eisengeschirr emailliert, bezieht und versendet jährlich 5-6000 Centner, Handelsgüter, 1-2000 Centner Steinkohlen, mit Steigerung bis zu 6000 Centner und liefert nach Wasseralfingen jährlich 4000 Zuber ? 8-9000 Centner Holzkohlen (was sich durch das Gewicht der im geschlossenen Raume erzeugten Hartholzkohlen erläutern düre).

Hierauf kommt Oberkochen mit vier tüchtigen Mahlmühlen, einer Schleifmühle, einer bedeutenden Oelfabrik, welche ihre Oelkuchen in den Hafen von Cannstatt liefert, ihre Repsbezüge und Oelversendungen großentheils auf der Eisenbahn machen wird, und mit Gypsmühle nebst Gypsbrennöfen, welche Mühle ihre Gypssteine bis jetzt mit eigener Fuhr von Jaxtheim, künig jedenfalls 4 6000 Centner per Eisenbahn bezieht. Elf Töpfer zu Oberkochen versenden ihre Waare im Inlande und nach Bayern, Baden, der Schweiz u.s.w.

Sodann folgt Unterkochen mit einer großartigen Industrie. Hier, in Unterkochen, ist ein K. Hüttenwerk; ferner, theils auf der Markung von Unterkochen, theils auf der von Aalen, immer aber noch auf der Eisenbahnlinie von Heidenheim nach Aalen: das sehr bedeutende Eisenhammer- und Drahtwerk auf der Erlau, welches aus Masseln und altem Eisen: Ketten, Draht, Drahtstie, Polsterfedern u.s.w. fabriziert; der Eisenhammer und die Fabrik von Eisen- und Stahlwaaren, landwirthschalichen und anderen Werkzeugen, Achsen u.s.w. von Gebrüder Sutor zu Neukochen; der Drahtzug und die Drahtstienfabrik von Egelhaaf und Späth; ein Drahtzug von G. Kayser; eine Eisenstifabrik von E. Rieger; eine bedeutende Kunstmühle und eine weitere Mahlmühle in Unterkochen; zwei Papierfabriken, von denen eine mit Dampfmaschine; eine Pulverfabrik und andere Gewerbe; endlich das immer noch auf diesem Eisenbahnzuge liegende Eisenbergwerk von Aalen, welches Königsbronn und zum Theil auch Wasseralfingen mit Eisenerz versieht.

Auch folgen von Unterkochen bis Aalen noch eine Walke und Spinnerei der Wollgewerbe von Aalen.

Das K. Hüttenwerk zu Unterkochen ist in seinem jetzigen Verhältnisse ein Filialwerk (Drehwerk) von Wasseralfingen, kommt also mit diesem durch die neue Bahnlinie in Schienenverbindung; Wasseralfingen wird voraussichtlich seine Versendungen nach Unterkochen durch die Eisenbahn machen, sowie die vollendete Waare von dort auf der Eisenbahn weiter gehen wird.

Den anderen Endpunkt dieser Bahnlinie bildet die Stadt Aalen. Wie Heidenheim auf dem einen, so ist Aalen auf dem anderen Endpunkt der Eisenbahnstrecke Aalen-Heidenheim wieder durch und durch eine Gewerbsstadt. An die bereits gedachte Wollspinnerei und Walke schließen sich zu Aalen an: 7 Färbereien (3 Schön- und 4 Schwarzfärbereien), welche für Aalen, Heidenheim, Giengen, Ellwangen, Bopfingen, Nördlingen, Gmünd, Eßlingen, Metzingen, Reutlingen, Freudenstadt etc. färben. Eine einzige Schönfärberei daselbst bezieht 100 Centner Farbstoffe jährlich, von den zu färbenden Waaren abgesehen. Die Tuchmacherei, die Fabrikation von Biber, Coatings, Modestoffen in Wolle, Wollzeugen, beschäigte vor einigen Jahren, wo ihr Berichterstatter sie genau erhob, 29 Meister mit 34-39 Gesellen. Ein Theil ihres Wollbedarfs wird in Aalen, ein anderer in Heidenheim, ein dritter in Göppingen etc. gesponnen. Absatz: Tuchmesse in Stuttgart, Bayern, Baden, Schweiz, etc. Die Roh- und Weißgerberei wird von 12

Meistern mit 9 Gehülfen thätig betrieben. Vier Seifensiedermeister versenden ihr meistes Erzeugniß an Talglichtern nach Heidenheim, Gmünd, Stuttgart, Tübingen, Neresheim, Ellwangen etc.

Von zwei Essigfabriken versendet die eine, von Hailer und Maier, 1600 Eimer, großentheils dreifachen Essigs, nach Bayern über Nördlingen, nach Heidenheim, Ulm, Oberschwaben, der Schweiz. Auch betreibt dieselbe die Senffabrikation mit zwei Mahlgängen am Kocher.

Eine Maschinenfabrik von Ankele und eine aufstrebende, namhafte mechanische Werkstätte von Seidelmann mit Wasserkra, sowie eine Draht-, Drahtsti- und Holzschraubenfabrik von J.M. Simon, letztere mit zwei Werken, ober- und unterhalb der Stadt, außer der bereits gedachten Draht- und Stifabrik von Egelhaaf und Späth. Sodann eine Pianofortefabrik mit Absatz nach Bayern, Oberschwaben, Stuttgart, der Rheingegend, Frankfurt, Amerika; zwei Fabriken von Baumwollengewerben verschiedener Art, welche auswärts zu Heubach etc. eine große Zahl von Webern beschäigen, und verschiedene kleinere Fabrikanten solcher Gewebe. Drei Sägmühlen und drei Holzhändler zu Aalen mit Bretterhandel, namentlich nach Heidenheim, etc. Mehrere Gypsmühlen, welche den Gyps von Jaxtheim holen, und einen bedeutenden Theil ihres Absatzes ins obere Kocher- und Brenzthal, nach Heidenheim, Mergelstetten, Herbrechtingen, Giengen etc. haben. Eine Lohmühle; drei Mahlmühlen, worunter eine von 4 Mahl- und 1 Gerbgang mit bedeutendem

Getreide- und Mehlhandel. Die Getreidebezüge dieser Mühlen erfolgen zu einem ansehnlichen Theil über oder von Heidenheim. Seit einigen Jahren besteht übrigens eine namhae Fruchtschranne in Aalen selbst. Die Bierbrauereien der Stadt versieden 22-23,000 Simri Malzes, wozu die Gerste zu 2/4 von Nördlingen, 1/4 vom Hertsfeld, 1/4 von Lauingen über Heidenheim kommt. Sehr viel Bier kommt von aus-wärts. Von dem Verkehr durch die Stadt und an derselben vorüber gibt eine Andeutung, daß der Thorwart an dem Thore gegen Stuttgart im Jahr 1853 666 fl., der Thorwart an dem Thore, wo sich die Straßen einerseits gegen Wasseralfingen (Ellwangen, dem unteren Kocherthal und Nördlingen) und andererseits gegen Heidenheim abzweigen, 2002 fl. Pachtgeld der Stadt Aalen für Pastergeld bezahlten.

Hienach ist der Verkehr auf der Richtung nach Heidenheim jedenfalls noch größer als der auf der Nördlinger Route, einer der frequentesten Haupthandelsstraßen des Landes und man sieht, welchen kolossalen Verkehr ein solcher Industriebezirk hat.

Berücksichtigt man, daß die ganze Eisenbahnlinie von Heidenheim bis Aalen nur etwas über 6 Stunden lang sein wird, so ergibt sich aus diesen Andeutungen, welche übrigens nichts weniger als ein vollständiges Bild gewähren, welche Masse fabrizierender Gewerbe in dem Thale des oberen Kochers und der Brenz bereits in Thätigkeit ist eine Thätigkeit, welche durch eine Eisenbahn sich ungemein entwickeln wird. Denn diese wird dem Gewerbsbetriebe dieser Gegend alle Rohstoffe, vorzüglich aber einerseits Steinkohlen von der Cannstatt Nördlinger Eisenbahn, andererseits Torf von dem Donau- und unteren Brenzthale her billiger zuführen, die Zahl der Dampfmaschinen und der Gewerbe voraussichtlich sehr vermehren und den Verkehr noch wesentlich steigern.

Schon bis jetzt übrigens hat wohl kaum eine befahrene Landstraße von 6 Stunden als die auf dieser Linie in unserem Lande bestanden, wozu auch die Bezüge von Bohnerz aus dem Oberamt Heidenheim nach Wasseralfingen mit 50-60,000 Centner, von Eisenerz aus der Grube von Aalen nach Wasseralfingen mit 15-20,000 Centner und natürlich auch die Holzkohlenfuhrwerke für die Königlichen Hüttenwerke wesentlich beitragen. Von den 37,450 Zubern Buchenholzkohle (zu 210 Pfund ? 78,645 Centner), welche Wasseralfingen braucht, kommt ein namhaer Theil vom Aalbuch, also theilweise auch auf der Heidenheim-Aalener Linie, nach Wasseralfingen, wogegen die 77,750 Zuber Nadelholzkohle für Wasseralfingen hauptsächlich von den Kapfenburger, Ellwanger Forsten, dem Limburgischen etc., also von anderen Seiten kommen.

Wird noch berücksichtigt, daß diese Bahnstrecke durchgängig durch zwei zusammenhängende Thäler gehen wird, und (etwa mit dem in Frage stehenden Tunnel zu Vermeidung einer sumpfigen Thaltrace) keine bedeutenden Kunstbauten erfordern, daher an Baukosten nur zu

        2,800,000 fl. ? kr.

für Betriebsinventar zu         325,000 fl. ? kr.

3,125,000 fl. ? kr.

 

veranschlagt ist, so düre auch die vorzügliche Rentabilität dieser Linie einem Zweifel um so weniger unterliegen, als dieselbe dem übrigen Bahnnetze des Landes einen sehr bedeutenden Verkehr zu- und abführt.

Daß diese Bahnstrecke eine der bauwürdigsten des Landes ist, kann daher keinem Zweifel unterliegen, und ist längst von allen Seiten anerkannt. Die Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit einer Eisenbahn für diesen Industriebezirk war bekanntlich seiner Zeit ein Hauptgrund, welcher die K. Staatsregierung zu Vorlegung des Plans einer Lonsee-Nördlinger Bahn bestimmte, und die Kammer der Abgeordneten beschloß in ihrer Sitzung vom 14. März 1857, indem sie die Lonsee-Nördlinger Bahn ablehnte und sich für eine Bahn über Gmünd nach Nördlingen und für die Vorarbeiten in der Richtung über Waiblingen und Schorndorf aussprach, gleichzeitig für alsbaldigen Bau einer Eisenbahn von Heidenheim über Aalen nach Wasseralfingen sich zu erklären.

Was die Wahl des Bahnhofes zu Heidenheim betrifft, so hängt diese, wie in dem Ministerialvortrage erwähnt ist, von der Richtung der künigen Weiterführung der Bahn über Heidenheim ab, nämlich ob dieselbe seiner Zeit durch das Stuben-, Ugen- oder Lonthal weiter geführt werden soll.

Ihre Commission ist, soweit ihr die Verhältnisse bekannt sind, aus volkswirtschalichen Gründen der Ansicht, daß die letztere Richtung den Vorzug verdienen düre. Ihre Gründe dafür sind folgende:

Das Stubenthal und das in dasselbe einmündende Ugenthal sind ganz trockene, nahezu unbewohnte Albthäler, welche die Bahn von Heidenheim weg durch großentheils menschen- und wasserleere, rauhe Gegenden führen würden, und von welchen übrigens jedenfalls das Stubenthal trotz seiner gewöhnlichen Dürre zeitweise verheerenden Strömen durch Zusammenlauf der Schneewasser u.dgl. ausgesetzt ist. Wird dagegen die Bahn durch das Lonthal geführt, so würde sie dem Brenzthale, seinen Wasserkräen, Fabriken und Gewerben jedenfalls auf eine längere Strecke noch folgen, Heidenheim und seine Gewerbeinhaber mit diesem ihrem natürlichen Industriebezirke in nächste Verbindung setzen, und zugleich die Eisenbahn den so wichtigen Torflagern des unteren Brenz- und des Donauthals nahe bringen.

Ihre Commission trägt daher (mit den 7 Stimmen von Grathwohl, Keller von Cannstatt, Knupfer, Mohl, Frhrn. v. Varnbühler, Wolff, Wurst, ? gegen 2 Stimmen von Emerich und Frhr. v. Ow) darauf an:

dem Abs. b des Art. 1 des Gesetzesentwurfes, welcher den Bau der

        "Bahnstrecke von Aalen bis Heidenheim"

betrifft, zuzustimmen.