Die Brenztalbahn: Kraftomnibus

Der Kraftomnibusverkehr

In Württemberg wurde die erste Kraftomnibuslinie bereits im Oktober 1898 zwischen Mergentheim und Künzelsau eröffnet. Sie diente auch zur Postsachenbeförderung, doch mussten diese Fahrten schon am 15. Juli 1899 eingestellt werden, und am darauffolgenden Tage fuhren wieder die Pferdeposten.

Die beiden ersten in Heidenheim verwendeten Postkraftwagen III WP 121 und 123 von 1920.

Die Gründe dafür waren die anfangs häufig auftretenden Kinderkrankheiten. Einmal brach die Lenkstange, bei Regenwetter blieben die Motorwagen auf der glatten, gewalzten Straße hängen und mussten in acht Tagen sechsmal abgeschleppt werden. Die Wagen hatten noch keine Gummireifen. Es fehlte an sachverständigen Mechanikern. Von den Fahrern wurden damals noch keine Führerscheine verlangt, Ersatzteile waren nur umständlich zu beschaffen, und oft konnte der Betriebsstoff nicht nachgefüllt und ersetzt werden, da es noch keine Tankstellen gab. Einmal versagten sogar die Bremsen auf abschüssiger Straße, ein andermal soll das Auspuffrohr eines Wagens infolge Ausfalls eines Ventils zugefroren sein. Dann brachen die Triebstangen, so dass der Wagen im Straßengraben landete.

Angesichts solcher Mängel ging natürlich das Vertrauen des Publikums in die neue Einrichtung verloren. Ein geregelter, fahrplanmäßiger Verkehr war unmöglich.

Diese Kinderkrankheiten konnten den Vormarsch des Verbrennungsmotors jedoch nicht verhindern. Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Pferdepostwagen nach und nach durch Kraftpostwagen ersetzt, so das am 1. Oktober 1921 in Heidenheim die letzte Pferdekutsche in den Ruhestand versetzt wurde. Sie wird in dem neu entstehenden Wagenmuseum auf Schloss Hellenstein einen würdigen Platz einnehmen.

Der vollgummibereifte "Kom" - Kraftomnibus - 138 vor dem Postamt auf dem Bahnhofsvorplatz in Heidenheim. Etwas 1920.

Der erste Kraftwagen für die Post war von der Daimler-Motoren-Gesellschaft Berlin-Marienfeld geliefert worden. Am 4. Juni 1914 wurde der zweite Wagen mit der Nr. 69 nach Heidenheim ausgeliefert. Es folgte der Ausbau der Strecken und Straßen, und so hielt der Kraftomnibus Einzug im Brenztal.

Bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges änderte sich nur wenig. Lediglich einige Eröffnungen und Umstellungen sind zu verzeichnen:

  • Heidenheim-(Nattheim)-Neresheim, am 15. Mai 1927,
  • Heidenheim-Gussenstadt über Sontheimer Wirtshaus, ab 20. Juni 1927, ab dem 29. August verkehrte er über Steinheim Heuchstetten.
  • Verlängerung der Linie Heidenheim-Nattheim nach Fleinheim am 2. April 1928,
  • Heidenheim-Gussenstadt ab 1. August 1929 über Gerstetten,
  • ab 4. Oktober 1931 Wegfall der Linie bis Gussenstadt,
  • ab 1. Dezember 1931 Wegfall der Linie bis Fleinheim,
  • ab 10. März 1932 verkehrte die Linie nach Neresheim nur noch drei Mal in der Woche,
  • die Teilstrecke Nattheim-Neresheim mußte am 15. Mai 1933 wegen schlechter Rentabilität aufgehoben werden,
  • ab 1. Juli 1934 bestand die Linie Lauingen-Giengen-Staufen. Sie wurde im August 1939 (Kriegsbeginn) wieder aufgehoben.
  • Eröffnung der Linie Heidenheim-Dischingen über Nattheim-Fleinheim am 2. Oktober 1938.

Während der Kriegsjahre hatten die Verbindungen regen Zulauf, so daß Berechtigungsscheine ausgegeben werden mussten. Sie hatten aber nur wenig Wirkung, was die überfüllten Busse bewiesen.

Veränderungen der Posten auch am 4. Januar 1876, als die Brenzbahn vollendet wurde.

Zu erwähnen wären auch noch die seit 24. Juni 1922 eingeführten Arbeiterfahrten, erstmals zwischen Nattheim und Heidenheim. Für diese Fahrten meldeten sich so viele Arbeiter, dass sogar ein Personenanhänger erforderlich wurde. Vier Jahre später wurden solche Fahrten auch nach Steinheim durchgeführt. Für nicht ganz ein halbes Jahr vom 1. November 1927 bis 31. März 1928 verkehrten sie auch nach Dettingen und wurden am 23. Juli 1928 von Söhnstetten nach Böhmenkirch ausgedehnt.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges 1945 gingen die meisten Busse durch Zerstörung oder Verschleppung verloren, so dass, nach monatelangem, vollkommenem Stillstand jeglichen Verkehrs, der Betrieb nur sehr langsam wieder anlaufen konnte.

Dieses sehr langsame Anlaufen hatte überaus schwerwiegende Folgen für den Personenverkehr der staatlichen Einrichtung Post und auch Eisenbahn. Privatunternehmen, bevorzugt durch die schnelle Handlungsmöglichkeit und das Fehlen der vielen bürokratischen Hindernisse, konnten die Strecken belegen und somit der Post zuvorkommen. Dies hatte zur Folge, das der Post einige Linien verloren gingen. Ende Februar 1953 befuhren Postomnibusse folgende Linien:

Bahnbusse und Eisenbahn beim Bahnhof Heidenheim. Hinter den Bussen sollte ursprünglich der Busbahnhof erstellt werden. 16. Dezember 1964.

  • Heidenheim-Nattheim-Fleinheim-Dischingen,
  • Heidenheim-Dettingen-Gerstetten-Böhmenkirch,
  • Heidenheim-Steinheim-Söhnstetten-Böhmenkirch-Süssen-Göppingen,
  • Heidenheim-Hürben-Burgberg-Hermaringen-Giengen und
  • Herbrechtingen-Heidenheim-Nattheim-Neresheim-Amerdingen (Bayern).

An diesen Linien änderte sich bis heute nur wenig. Lediglich nach dem zweiten Weltkrieg brachte die Bahn zum ersten Mal Busse zum Einsatz. Sie fuhr parallel der Schiene nach Aalen und Ulm und stellte zusammen mit der Post eine Verbindung nach Göppingen her. Am 1. November 1982 wurde der Geschäftsbereich Bahnbus gegründet, der die Linien der Post und den gesamten Postbusbereich übernahm. Somit war eine lange Tradition der Post beendet. Folgende Linien übergab die Post dem Geschäftsbereich Bahnbus, die fast unverändert heute noch bedient werden:

  • Heidenheim-Hürben-Burgberg-Giengen,
  • Heidenheim-Bissingen-Niederstotzingen,
  • Heidenheim-Nattheim-Dischingen-Demmingen,
  • Heidenheim-Böhmenkirch-Weißenstein-Göppingen,
  • Heidenheim-Sontheim-Gerstetten-Gussenstadt,
  • Heidenheim-Dettingen-Gerstetten-Gussenstadt-Böhmenkirch.

Die beiden letzteren Linien wurden von der Post an die Firma Grüninger verpachtet, die sie heute noch befährt.

Die Lage des schon 1956 geplanten Busbahnhofes. Der Heidenheimer Bahnhof wäre dadurch ein zetraler Punkt für den öffentlichen Nahverkehr geworden.

Auffallend ist, dass die Post nie ihre Busse entlang der Eisenbahnlinie durch das Brenztal gefahren hat. Der Post wohl größter Konkurrent, die Firma Wahl und Söhne, nahm am 6. August 1926 mit einem kleinen 18sitzigen Ford-Omnibus, dem ersten Privatomnibus in Heidenheim, den Linienverkehr entlang der Schiene nach Schnaitheim auf. Dieser Wagen bildete den Grundstock zu einem Verkehrsunternehmen, das heute, 1984, zu den größten Reisebusunternehmen in Europa gehört.

Zwei Monate später wurde bereits der zweite Omnibus eingesetzt. In schneller Folge wurden weitere Busse in Dienst gestellt und neue Linien eingerichtet, so auch zur Voithsiedlung, nach Oggenhausen und, wieder entlang der Bahn, nach Mergelstetten. Der sich 1930 durchsetzende Berufsverkehr brachte der Firma zusätzliche neue Betätigungsfelder. Ihr gelang es auch durch geschickt ausgedachte Fahrpläne, sich immer weiter auszudehnen, und sie brachte es sogar fertig, besonders in den Morgenstunden, auf den Linien der Post immer etwas früher abzufahren als diese. So nahm die Firma Wahl der Post die Fahrgäste mit gut besetzten Wagen ab, während die Postomnibusse erst die Umarbeitung und Bereitstellung der mit der ersten Bahnpost eingehenden Postsendungen abwarten mussten. Die Post fuhr dann als reine Postzubringerin mit leeren oder schwach besetzten Bussen aufs Land. Es kam sogar so weit, dass, z.B. beim Kurs nach Weißenstein, die Firma Wahl ihren Wagen unmittelbar neben das Postauto vor dem Heidenheimer Postamt aufstellte und fünf Minuten früher als die Post abfuhr.

Der heutige (1985) Busbahnhof in der Grabenstraße, ca. ein Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Die Firma ging sogar noch weiter. Zu Beginn des dritten Reiches versuchte sie der Eisenbahn nicht nur im Brenztal Konkurrenz zumachen und unternahm direkte Fahrten nach Stuttgart über Weißenstein und Göppingen, mit denen sie bei wesentlich billigerem Preis als die Reichsbahn stets vollbesetzte Wagen hin und zurück hatte. Diese Fahrten wurden ihr aber verboten. Daraufhin schrieb sie Fahrten nach Cannstatt, Untertürkheim oder einer anderen benachbarten Stadt aus. Die Reisenden war es dort dann möglich, mit der Staßenbahn ihr Ziel zu erreichen. Diese Umgehung des Verbotes wurde ihr ebenfalls untersagt, und schließlich beschlagnahmte die Polizei auf den Zufahrtstraßen von Göppingen nach Stuttgart die Busse der Firma. Die Reisenden wurden zur Überprüfung von Reiseziel und -zweck wie Gefangene nach Stuttgart gebracht, wo sie über diese Freiheitsberaubung, das offizielle Verhör, den Zeitverlust und die Abnahme des Fahrausweises keineswegs erfreut waren. Dass die Rückreise nicht mit Wahl unternommen werden durfte, versteht sich fast von selbst. Wahl musste die Fahrten aufgeben.

Während des zweiten Weltkrieges wurden fast sämtliche Busse der Firma Wahl und die Wagenführer der Post zum Kriegsdienst eingezogen. So entstand der merkwürdige Fall, dass die Kraftfahrer von Wahl, darunter auch ein Sohn des Unternehmers, zur Post verpflichtet wurden, um für die Post Fahrdienste zu leisten.

Am Ende des Krieges konnten sich, wie schon erwähnt, die Privatunternehmer stark vergrößern. Die Zunahme der Bevölkerung Heidenheims und der gesamten Kreisgemeinden machten ein innerstädtisches Nahverkehrssystem notwendig. Wieder war es die Firma Wahl, die die Situation erkannte und auszunutzen verstand. Sämtlicher innerstädtische Nahverkehr und große Teile des Kreisgebietes werden heute von ihr bedient. Lediglich der Geschäftsbereich Bahnbus mit den von der Post und der Bahn übernommenen Linien, die Firmen Grüninger aus Gerstetten und Ostertag aus Oggenhausen bieten eine spärliche Konkurrenz.