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23.12.20 16:38 Uhr Alter: 31 Tage
Vergleichsweise wenig Zugreisende
Von: sga, Pressemitteilung, HZ
Brenzbahn Die Fahrgastzahlen auf der Strecke zwischen Ulm und Aalen hinken hinter denen des Durchschnitts im Land deutlich hinterher. Es muss investiert werden, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Mathias Gastel.

Auf der eingleisigen und nicht elektrifizierten Brenzbahn besteht dringender Handlungsbedarf. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Anfragen des Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel belegen, wie dringend in die Bahnstrecke investiert werden muss, um bessere und zuverlässigere Angebote zu ermöglichen. Der Abgeordnete ist bahnpolitischer Sprecher seiner Fraktion und hatte unter anderem gefragt, wie sich die Reisendenzahlen an Baden-Württembergs Bahnstationen seit dem Jahr 2010 entwickelt haben. Die Ergebnisse für die Brenzbahn hat Gastel gemeinsam mit seiner Heidenheimer Kollegin Margit Stumpp in einer Presseerklärung zusammengefasst.

Plus um 25 Prozent im Land

Landesweit gab es bei den Reisendenzahlen bis 2019 ein Plus um rund ein Viertel. Die Entwicklung entlang der Brenzbahn hinkt dem Landestrend allerdings deutlich hinterher. „Die Akzeptanz der Bahn hat vor dem Anbieterwechsel deutlich gelitten. Ausfallende und verspätete Züge sowie völlig veraltetes Wagenmaterial veranlassten viele Pendler zum Umstieg auf den Pkw“, konstatiert Margit Stumpp. Das habe zu einer völligen Überlastung der Straßen und einer unnötigen Belastung für die Umwelt geführt.

In Aalen und Herbrechtingen sind die Werte mit einem Plus von 20 bzw. 17 Prozent noch einigermaßen unauffällig. Hier wuchsen die Zahlen der Ein-, Aus- und Umsteiger auf 10.300 und 1000 pro Tag. In Heidenheim und in Sontheim jedoch brachen die Reisendenzahlen um jeweils 13 Prozent ein. Gezählt wurden 3400 und 900 Reisende. Giengen verzeichnete ein leichtes, aber eben deutlich unterdurchschnittliches Plus von nur vier Prozent auf 1700 Reisende.

„Hier zeigt sich“, so Gastel, „dass sich auf dieser Strecke kaum ein wirklich attraktiver Bahnverkehr organisieren lässt.“ Die begrenzte Infrastruktur setze erhebliche Restriktionen, was sich auf Fahrzeiten, Taktung und Zuverlässigkeit auswirkt. „Es muss investiert werden, um Engstellen zu beseitigen und höhere Geschwindigkeiten zu ermöglichen“, so Gastel weiter.

Der Abgeordnete hatte eine ganze Reihe von überwiegend kurzfristig umsetzbaren Infrastrukturmaßnahmen im Schienennetz in Baden-Württemberg ausfindig gemacht. Da es sich allesamt um Bundesschienenwege handelt, hat er die Bundesregierung nach Plänen für deren Umsetzung gefragt. Bei der Brenzbahn ging es um Blockverdichtungen, den zweigleisigen Ausbau und die Streckenelektrifizierung.

Abstellmöglichkeiten fehlen

Der Bahnpolitiker verweist unter Bezugnahme auf eine Antwort der Bundesregierung außerdem darauf, dass derzeit zwischen Aalen und Ulm in 15 Bahnhöfen Zugkreuzungen erfolgen können, damit jedoch keine Angebotsausweitungen möglich sind. Auch ausreichend Abstellmöglichkeiten für Züge würden fehlen.

Der Bund bestreite nicht, dass erheblicher Handlungsbedarf besteht, verweist jedoch, obwohl er Eigentümer der Strecke ist, auf das Land. „Angesichts der Untätigkeit des Bundes ist es gut, dass wir uns kommunalpolitisch schon vor zehn Jahren auf den Weg gemacht haben, die Ertüchtigung der Brenzbahn voran zu treiben“, zeigt sich Margit Stumpp in Bezug auf die Haltung des Bundes ernüchtert. „Wir bohren zwar dicke Bretter, wissen aber zum Glück den Landesverkehrsminister, Winne Hermann, an unserer Seite.“

Zwei neue Haltestationen?

Das Landesverkehrsministerium hat den Handlungsbedarf erkannt. Es lässt Infrastrukturverbesserungen untersuchen. Dabei geht es um die durchgehende Elektrifizierung der Strecke, deren partiellen zweigleisigen Ausbau sowie mögliche neue Haltepunkte, so in „Aalen-Süd“. Zweigleisige Abschnitte sollen entstehen zwischen Unterelchingen und Langenau, zwischen Niederstotzingen und Sontheim, zwischen Sontheim und Bergenweiler und womöglich auch zwischen Itzelberg und Oberkochen.

Gastel und Stumpp unterstützen ausdrücklich das in einer Absichtserklärung von Land, Landkreisen und Deutscher Bahn kürzlich definierte Ziel, „die Attraktivität der Brenzbahn für eine Ausweitung des Angebots im Personen- und Güterverkehr durch eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Infrastruktur zu erhöhen.“ Dazu sagen beide Grünen-Abgeordnete: „Das ist es, was wir auf der Brenzbahn brauchen: ‚Mehr Züge und mehr Zuverlässigkeit auf einer leistungsfähigeren Infrastruktur.“

Info:

3400 Ein-, Aus- und Umsteiger wurden am Bahnhof in Heidenheim zwischen 2010 und 2019 verzeichnet. Das entspricht einem Rückgang der Fahrgastzahlen um 13 Prozent.

Anm. der Redaktion: In diesem Artikel wird leider nicht deutlich, dass seit dem Betreiberwechsel 6.2019 der Fahrgastzuwachs wieder einen deutlichen Anstieg erfahren hat. Um in Spitzenzeiten dem gestiegenen Fahrgastaufkommen Herr zu werden, mussten weitere Fahrzeuge eingekauft werden.