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150 Jahre Eisenbahngeschichte
06.06.18 15:11 Uhr Alter: 3 Jahre
Land erhört die Brenzbahn-Bitten
Von: Karin Fuch, HZ
Elektrifizierung Das Verkehrsministerium stuft nach etlichen Protesten die Schienenstrecke Aalen-Ulm im Ausbauplan hoch: Doch das heißt nicht, dass die Elektrifizierung bis zum Jahr 2025 auch kommt.

Für kurze Zeit wieder auf der Brenzbahn: Lokgeführte Personenwagen, auch als Silberlinge aus den 1960er Jahren bekannt. Foto: Uwe Siedentop

Die Papierflut an Briefen und Resolutionen war groß, die im Verkehrsministerium aus der Region Ostwürttemberg, Ulm und dem Alb-Donau-Kreis eintraf. Alle hatten das gleiche Ansinnen: Die Brenzbahn darf in der Elektrifizierungsoffensive des Landes nicht Schlusslicht sein, sondern muss vorgezogen werden. Verkehrsminister Winfried Hermann reagierte prompt und stufte die Brenzbahn hoch. Das heißt: bis 2025 soll die Strecke elektrifiziert werden. Als erstes erfuhr es die SPD als Antwort auf eine Anfrage und verkündete die Neuigkeit vorige Woche.

Minister steht zur Brenzbahn Warum diese Kehrtwende? „An uns soll es nicht liegen“, versichert Ministeriumssprecher Edgar Neumann, dass das Land hinter einer schnellen Elektrifizierung der Brenzbahn stehe. Aus der Region habe es zuvor andere Signale gegeben dahingehend, dass der zweigleisige Ausbau Vorrang habe. Dass das zusammen mit der Elektrifizierung einher gehen soll, da habe der Verkehrsminister nichts dagegen.

„Wir lassen uns nicht jeden Tag in der Zeitung verprügeln, wenn wir doch gleicher Meinung sind.“ Neumann weist darauf hin, dass das Land die Brenzbahn zwar vorschlagen kann, jedoch nicht über den Ausbau entscheidet. Deshalb sucht der Minister Unterstützung bei den Bundestagsabgeordneten des Landes, den Verkehrs- und Haushaltssprechern der Fraktionen.

In diesen Briefen von Ende Mai nennt er explizit die Brenzbahn als „überregionale Verbindungsachse“, die als Ausbaustrecke favorisiert werde.

Von den drei Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis kann Hermann Unterstützung erwarten.

Leni Breymaier (SPD) und Margit Stumpp (Grüne) begrüßen die Hochstufung (wir berichteten) ebenso wie Roderich Kiesewetter (CDU), der aber auch mahnt, dass es zu keiner Verzögerung beim zweigleisigen Ausbau kommen dürfe, und die Frage aufwirft, wer die Planungskosten tragen wird.

Für Landrat Thomas Reinhardt kam das Einlenken vom Land nicht überraschend. „Die gesamte BrenzbahnRegion hat sich für die Elektrifizierung in Stufe 2 ausgesprochen.

An solch einem Gewicht kommen das Land und der Verkehrsminister nicht vorbei.“ „Zweites Gleis first“ Dass er vor einigen Wochen die Devise „zweites Gleis first“ ausgegeben hatte, steht für ihn in keinem Widerspruch zur Elektrifizierung.

Das zweite Gleis sei unabdingbar zur Angebotsverbesserung, und die Elektrifizierung sei ebenso wichtig.

Denn E-Loks liefen stabiler als die Dieselloks. Zudem blickt Reinhardt auf die anstehende Kosten-NutzenAnalyse für die Strecke, für die der elektrische Antrieb von Vorteil sein könnte.

Der Landrat warnt jedoch: Die parallele Elektrifizierung dürfe den zweigleisigen Ausbau nicht bremsen.

„Es wäre schlecht, wenn wir mit den Planungen wieder von Null beginnen müssten.“ Überhaupt wisse man nicht, welche Kosten auf die kommunale Seite zukomme.

Auch den Zeitplan sieht Reinhardt skeptisch: „Wenn es im Konzept des Landes Fertigstellung bis 2025 heißt, dann nehme ich das mit Schmunzeln zur Kenntnis“, sagt er und verweist auf die drei Jahrzehnte Wartezeit bei der Südbahn.

Es sei bedauerlich, „dass wir Kommunalpolitiker ständig gezwungen sind, entsprechende Forderungen zu erheben“, schickt Oberbürgermeister Bernhard Ilg seiner positiven Stellungnahme zum Elektrifizierungserfolg vorneweg.

„Denn wie soll es eine Stadt wie Heidenheim mit ihren geografischen Verflechtungen in den ländlichen Raum schaffen, den motorisierten Individualverkehr in Teilen zu ersetzen, wenn nicht einmal das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs ausgebaut wird, das ist nun mal die Brenzbahn.“