Brenztalbahn: Noch vier Jahre Geduldsprobe Bahnhofsumbau
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21.02.17 18:47 Uhr Alter: 149 Tage
Noch vier Jahre Geduldsprobe Bahnhofsumbau
Von: Karin Fuchs - HZ
Die für die Bahnhöfe zuständigen Bahnmitarbeiter waren gestern vor Ort, um auf Einladung der SPD die Hindernisse zu begutachten, die entlang der Brenzbahn noch immer zu bewältigen sind. Von Karin Fuchs Barrierefreie Mobilität sieht anders aus als entlang der Brenzbahn. Im Heidenheimer Bahnhof wurde zwar ein Aufzug eingebaut, um ohne Hindernisse von der Bahnhofshalle auf die Gleise 2 und 3 zu kommen.

Doch um danach auch noch in die Züge zu gelangen, muss man weiterhin Stufen passieren. Für einen Rollstuhlfahrer ist es daher unmöglich, ohne Hilfe in die Bahn zu gelangen.
Gehbehinderte Menschen sind ebenso auf Hilfe angewiesen wie auch Eltern mit Kinderwagen.
Damit der Einstieg in die Bahn wirklich barrierefrei wird, muss der Bahnsteig erhöht werden.
Gleichzeitig müssen dann auch Züge eingesetzt werden, deren Einstiege tiefer liegen.
Praxis-Probe mit dem Gehwagen Das alles kann zwar nicht von heute auf morgen geändert werden, doch ist eine Realisierung mittlerweile greifbar. Bis zum Jahr 2021 wird der Heidenheimer Bahnhof modernisiert sein. Dies stellten gestern Dieter Maier und Thilo Weikert in Aussicht, beide Mitarbeiter bei der DB Station und Service und zuständig für die Bahnhöfe entlang der Brenzbahn.
Beide waren der Einladung von Landtagsabgeordnetem Andreas Stoch und Rosemarie Helbich vom Kreisseniorenrat gefolgt. Darüber hinaus war die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade vor Ort, Betreuungsabgeordnete für den Landkreis und insbesondere Spezialistin für das Thema Mobilität in ländlichen Regionen. Damit waren alle „Player“ vor Ort, wie es Andreas Stoch formuliert: die Bahn als Hausherr und Planer, der Bund als Geldgeber sowie auch die Senioren als Betroffene, wenn die Barrierefreiheit fehlt. Deshalb war eigens auch Heidenheims bekannte SPD-Seniorin Eva Oppermann zum Bahnhof gekommen, um zu demonstrieren, wo sie mit ihrem Gehwagen an Grenzen stößt. Für die Demonstration hätte es nicht besser sein können: Statt des regulären IRE mit Neigetechnik kam einer der alten Züge angefahren, bei denen nicht nur die Lücke zwischen Wagen und Bahnsteig bewältigt werden muss, sondern auch noch vier steile Treppen hinauf in das Bahnabteil führen. Eva Oppermann versuchte es erst gar nicht: „Das ist unmöglich.“ Und es wird in den kommenden vier Jahren auch noch so bleiben.
Denn erst dann wird der Umbau fertig und die Bahn auch mit passendem Wagenmaterial auf der Brenzbahn unterwegs sein. Die Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Heidenheim sei fertig. „Wir müssen nur noch die Tinte unter den Vertrag bekommen“, so Maier, der Heidenheim jedoch ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit lobte. Dass der Heidenheimer Bahnhof so spät dran ist, liege daran, das die größeren Knoten Vorrang gehabt hätten. Da sei es zu Verzögerungen gekommen, sodass auch der Umbau in Heidenheim nach hinten gerutscht sei.
Im Klartext heißt es, dass Heidenheim 25 Prozent der drei Millionen Euro an Baukosten übernimmt.
Das andere Viertel bringt das Land, und die restliche Hälfte die Bahn.
Dass es trotzdem noch so lange dauert, lehrt Maier die Erfahrung.
Bis zur Jahresmitte rechnet er mit dem Planungsrecht, wegen der umfangreichen Nachbarschaft müsse dann ein 18-monatiges Planfeststellungsverfahren durchlaufen werden.
2019 könne die Bauvorbereitung samt Ausschreibung erfolgen, sodass der Umbau 2020 starten werde. Mitte 2021 sei dieser dann abgeschlossen. Das fällt zusammen mit der neuen Vergabe der Bahnstrecke, wo das Land den Einsatz der neuen Züge ausgeschrieben hat. Doch auch danach werden nur etwa 70 Prozent der Verbindungen auf der Brenzbahn barrierefrei sein. Denn auf den schnellen IREVerbindungen bleibt das Wagenmaterial bis 2026 erst einmal das bisherige mit der Neigetechnik, so die Auskunft von Thilo Weikert.
Doch auch an anderen Bahnhöfen werden die Hindernisse nach dem Zieljahr 2021 nicht verschwinden.
Die Gruppe fuhr deshalb auch nach Schnaitheim, wo derzeit ein Steg die Gleise 1 und 2 verbindet.
Sawade verwies darauf, dass der Bau einer Rampe dann sinnvoll sei, wenn genügend Platz vorhanden ist. Denn im Gegensatz zu Aufzügen sei diese nicht störanfällig.
Blieb am Ende noch Sontheim, wo die Gemeinde die 25-prozentige Beteiligung am barrierefreien Umbau nicht schultern konnte und wollte. Stoch sieht hier auch den Bund am Zug, finanzschwachen Gemeinden unter die Arme zu greifen.
„Wir müssen hier schon noch viel machen“, pflichtete Annette Sawade bei. Sie verwies ebenso wie Andreas Stoch auf die Rolle der Brenzbahn als Zubringer für das Stuttgart-21-Bahnkonzept. Dann nämlich werde die Brenzbahn ein wichtiger Zubringer zum Knotenpunkt Ulm sein. Und nicht nur das: Auch auf der angedachten Achse über Nürnberg nach Berlin könnte die Brenzbahn ein wichtiges Puzzlestück im Schienennetz werden.
Bahnhof vorerst ohne Toilette Abgesehen von der Barrierefreiheit brachte Wolfgang Klook im Namen des Kreisseniorenrates auch noch die fehlenden Toiletten am Bahnhof zur Sprache. Laut Maier sei dies ein Thema, das generell die Bahnhöfe im Land betreffe. „Denn eine Toilette hilft Ihnen nichts, wenn sie kaputt ist“, sprach er die VandalismusGefahr gerade an Bahnhöfen an. Als mögliche Lösung beschrieb er als Beispiel ein Arrangement in Biberach an der Riss: Dort habe die Bahn eine Toilette gebaut, betrieben werden sie von der Stadt.