Brenztalbahn: Kampf gegen Windmühlen?
Unser Büchertipp:
150 Jahre Eisenbahngeschichte
Eine Zeitreise entlang der Strecke Schorndorf-Rudersberg-Welzheim
13.07.16 11:23 Uhr Alter: 1 Jahre
Kampf gegen Windmühlen?
Von: Uwe Siedentop
Der Landrat des Kreises Heidenheim, Thomas Reinhardt, tritt einen Kampf gegen Windmühlen an. Sollange die Ausschreibungen der baden-württembergischen Eisenbahnstrecken noch nicht abgeschlossen sind, wird sich die Situation eher verschlechtern.

Die momentan Situation auf der Brenzbahn (und auf anderne Strecken in Baden-Württemberg) sind hausgemacht! Sowohl die Bundesregierung als auch die damals schwarze Landesregierung haben kein Interesse an der Eisenbahn. Zuviele Autolobiisten beinflussen an der Stelle die Politik: Die Bahn ist Eigentum des Bundes und die Privaten Unternehmen können wesenlich aggresiver und mit viel Geld ausgestattet machtvoller auftreten.

Dieses Verhalten zeigt sich an mehreren Stellen: Als Verkehrsminister Dobrindt angetreten ist, hat er innerhalb kürzester Zeit auf allen Raststätten der A7 Parkplatzerweiterungen für die bis auf die Straße stehenden Lkws geschaffen - ohne groß darüber zu lamentieren.

Beim Ausbau der Südbahn hat er alles nur denkbare aufgeführt, um die Elektrifizierung zu verzögern.

Als das Thema Fernbus und Abgaben für die Fahrbahn angesprochen wurde, hat er entgegnet, dass die Deutsche Bahn AG sich doch gefälligst auch um die Fernbusskurse kümmern solle - das dadurch der Bahn-Fernverkehr leiden wird, nimmt er billigend in Kauf. Und der Fernverkehr wird dadurch abgebaut: Nachtzüge werden eingestellt, Fahzeugmaterial kann nicht erneutert werden, Verspätungen sind die Folge.

Schauen wir auf die alte Landesregierung, kann da auch kein besseres Bild gezeichnet werden: Da die alte Regierung sich nicht um die Bahn kümmern wollte, hat sie den großen Verkehrsvertrag mit DB Regio abgeschlossen. In diesem Vertrag wurden keinerlei Maßnahmen festgelegt, mit welchem Fahrzeugmaterial gefahren werden muß, kein Servicestandard festgelegt und wie die Bahn zu fahren hat. Die Folge: Alles schlechte Fahrzeugmaterial wurde in Baden-Württemberg zusammengezogen und so fahren bis heute noch Personenwagen aus den 1960er Jahren auf der Rems- und Brenzbahn. Erst mit der neuen baden-württembergischen Regierung stellen sich Besserungen ein.

Die heutige Situation zeigt die Versäumnisse der alten Regierung deutlich auf: Die Ausschreibungen der Strecken in Baden-Württemberg müssen, was bei anderen Ländern bereits ab 1994 geschehen ist, neu aufgebaut werden.

So entsteht auf allen Seiten Verunsicherung: Die Landesregierung baut dieses bereits 1994 festgelegte System neu auf, hat - gegenüber den anderen Bundesländern - noch keinerlei Erfahrungen in dieser Sache.

Die DB Regio muß sich diesen Auschreibungen unterwerfen und ist völlig verunsichert: Gewinnt Sie die Ausschreibungen oder nicht? Es entstehen Formfehler, der Handlungsspielraum wird eingeschränkt.

Und die Mitarbeiter, in den Zügen und in den Werkstätten, bei DB Regio? Sie sind ebenfalls verunsichert und verlieren aller Voraussicht mit den nicht gewonnenen Ausschreibungen ihren Arbeitsplatz. Sie suchen sich neue Arbeitsplätzte und verlassen DB Regio.

So entsteht die momentan Situation: DB Regio verliehrt seine Mitarbeiter, neue können nicht eingestellt werden. Hinzu kommen noch Fahrzeugwechsel mit Techniken, die die Werkstattmitarbeiter noch nicht beherrschen: Welche Krankheiten haben die Fahrzeuge, wo liegen da die Schwachstellen?

Parallel dazu die Politik der Bundesregierung: Das EisenbahnBundesAmt - EBA - hat zu wenig Personal. So kann des EBA die Fahrzeug nicht abnehmen, sie stehen Monate auf dem Abstellgleis. Und länger stehende Fahrzeuge müssen wieder nach Standschäden untersucht werden, kommen nicht sofort zum benötigten Einsatz.

Unter diesen Voraussetzungen kann unser Landrat Thomas Reinhardt bei der Deutschen Bahn AG kaum auf Besserung hoffen. Im Gegenteil: Die momentanen Erscheinungen sind nur die Anfänge.

Der ab 2016 geltende Übergangsvertrag mit DB Regio ist da nur als abmilderung der Situation zu sehen. Erst wenn die Ausschreibungen 2019 durchgeführt wurden, kann auf Besserung gehofft werden. Dann stehen die Verkehrsunternehmen fest, wird der Nahverkehr bis 2025 in geordnete Bahnen laufen: Und die momentane Landesregierung hat dann in den Verträgen mit den Unternehmen Klauseln eingebaut, die entsprechende Maßnahmen gegen Verspätungen, schlechtes Fahrzeugmaterial, schlechten Service erlauben.