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150 Jahre Eisenbahngeschichte
Eine Dokumentation über die Anfänge des öffentlichen Stadtlinienverkehrs in Stuttgart - 1860 bis 1897
30.08.03 22:27 Uhr Alter: 18 Jahre
Bahnhof Aufhausen an der Riesbahn
Von: Gerold Wenzel
Blitzendes Metall hat sich mittlerweile in einen rostigen Schienenstrang verwandelt. Unkraut breitet sich über dem Gleisbett aus. Wuchernde Pflanzen gehen einher mit der Untätigkeit der Bahn AG. Nur drei Meter trennen Schienen und Wohnhaus von Ruth und Otto Schweizer. Die einst stündlich verkehrenden Züge fahren schon seit Monaten nicht mehr. Doch die verwaiste Bahnstrecke stimmt die Schweizers nachdenklich. Als Eisenbahner durch-und-durch scheint aber nicht nur dem Ehepaar ein wichtiges Stück genommen worden zu sein ...

Bopfingen-Aufhausen # Noch immer pflegt Ruth Schweizer ehrenamtlich die Prospekt- und Informationsregale des Aufhausener Bahnhofes, so wie sie es schon viele Jahre tut. Seit nunmehr neun Monaten aber fristet das örtliche „Fremdenverkehrsbüro“ seinen  Dornröschenschlaf. „Im vergangenen Jahr konnte der Aufhausener Bahnhof noch sein 100-jähriges Bestehen feiern. Heute ist es hier so still wie auf einem Friedhof“ sagte Ruth Schweizer nachdenklich.

 

Von 1986 an bewohnt das Ehepaar Schweizer das ehemalige Agenturhaus in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Als Ruine erworben, präsentiert es sich heute wie ein Schmuckstück. Bereits mit dem Roten Punkt als Abrissgenehmigung versehen, hatte Otto Schweizer als Elektromeister der Deutschen Bundesbahn das Haus entdeckt. So konnten die beiden den Abbruch verhindern und renovierten das Haus in liebevoller Detailarbeit.

 

An ihrer neuen Umgebung und dem kulturellen Leben der Region interessiert,  war es schließlich die Idee von Ruth Schweizer, die zahlreichen Bahngäste und Wanderer ebenfalls mit Informationen über regionale Sehenswürdigkeiten und aktuelle Veranstaltungen zu versorgen. Dafür organisierte sie Regale, um Prospekte ansprechend in dem kleinen Bahnhofsgebäude präsentieren zu können. Denn als langjähriges Mitglied des Schwäbischen Albvereines ist ihr die Bedeutung des Bahnhofes als Anlaufstelle bewußt. Der von Donauwörth bis Tuttlingen verlaufenden Hauptwanderweg 1 des Albvereines führt direkt an Aufhausen vorbei. Zusätzlich locken zahlreiche Ziele um Aufhausen die Wanderer in den von Wald und Heidelandschaft umgebenen Ort. Dass für die Anreise vielfach die Bahn genutzt werden konnte, kam vielen Ausflüglern entgegen. Ständig stiegen Wandergruppen, Fahrradausflügler oder Schulklassen in Aufhausen aus und ein. Gerne informierte Ruth Schweizer auch persönlich über die Sehenswürdigkeiten der Region. Hängt seither Plakate auf und legt Informationshefte der Volkshochschule, der Rieser Kulturtage, des NABU, des Maihinger Bauernmuseums, des Schwäbischen Albvereines oder der Internationalen Musikakademie Schloss Kapfenburg aus. „Alles was mit Natur und Kultur zu tun hat versuche ich zusammen zu tragen“, sagte Ruth Schweizer weiter. Doch seit dem Dammrutsch, nahe der Röttinger Höhe, wird nun der Ort durch Schienenersatzverkehr per Omnibus umfahren. Die Bahnstrecke verödet - Besucher bleiben aus. Die als schönste Teilstrecke des Bezirks Stuttgart bekannte Bahnlinie zwischen Goldshöfe und Nördlingen liegt brach. Eine Wiederaufnahme des Schienenverkehres ist noch nicht in Sicht.

 

Über die Ausflugsziele um Aufhausen weis Ruth Schweizer einiges zu berichten. Oft schon beschrieb sie den Reisenden die zwölf wichtigsten Anlaufpunkte und deren Wanderstrecken. Bereits in unmittelbarer Nähe des Aufhausener Bahnhofes (1) findet sich die Burgruine Schenkenstein (2) mit Blick zum historischen Judenfriedhof (3). Für das Friedhofsgelände selbst kann Otto Schweizer allen Interessierten eine Führung anbieten, ehrenamtlich und unentgeltlich versteht sich. Über den Tierstein (4) mit seiner dort seit Jahren nistenden Kolkrabenfamilie führt die weitere Strecke zum Egerursprung (5). Während der Wanderung über den Mühlenweg zum Sachsenberg (6), dem Donnenberg (7) und nach Käsbühl (8) verwandelt sich die Landschaft allmählich von dichtem Waldgebiet bis hin zu freier Heidelandschaft mit seltenen Pflanzen wie Küchenschellen und Schusternägele. Weiter vom Kargstein (9), am Ipf (10) vorbei, gelangt man zum Standort der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Wer dann noch immer Energie verspürt, darf den steilen Weg zur Ruine Flochberg (12) erklimmen. Von dort aus konnte bisher der Bahnhof Bopfingen oder Aufhausen angesteuert werden, um wieder gemütlich mit der Bahn die entsprechenden Heimatziele zu erreichen.

 

So manches Mal ergabt es sich dann, dass Wanderer nach ihrer Rückkehr den Schweizers einen Gruß per Post nach Aufhausen schickten, um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. Auch wenn derzeit keine Besucher Aufhausen erreichen, Ruth Schweizer wird weiterhin in der Hoffnung ihren Bahnhof pflegen, dass eines Tages die Züge wieder rollen werden.