Die Brenztalbahn: Vorschläge

Vorschläge zur Verbesserung der Anbindung der Region Ostwürttemberg an die deutschen Eisenbahnfernverkehrsverbindungen

Vorgestellt am 22. Januar 2010 in Aalen

Der Initiativkreis Verkehr Ostwürttemberg (IVO) hat sich zur Aufgabe gemacht, interessante Fragestellungen für den Verkehr in der Region Ostwürttemberg (Ostalbkreis und Kreis Heidenheim) aufzugreifen und Verbesserungsideen zu entwickeln. Der Initiativkreis Verkehr Ostwürttemberg trifft sich regelmäßig und setzt sich zusammen aus Verkehrsinteressierten aus Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden und Öffentlichkeit.

 

Die Anbindung an den Schienenfernverkehr und damit an leistungsfähige und schnelle Zugverbindungen sind für die Region Ostwürttemberg, den gesamten Osten Baden-Württembergs sowie für große Teile des westlichen Bayerns von zentraler Bedeutung. Die Bürgerinnen und Bürger aber vor allem auch die exportorientierte Wirtschaft sind auf solche Verbindungen dringend angewiesen.

 

Mit der IC Linie 61 (Basel – ) Karlsruhe – Nürnberg und den Halten in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Ellwangen ist Ostwürttemberg derzeit an das Fernverkehrsnetz angeschlossen und sind die Fernverkehrsknotenbahnhöfe Karlsruhe, Stuttgart und Nürnberg untertags über 12 Stunden im 2-Stunden-Rhythmus erreichbar. Mit dem IRE auf der Strecke Aalen-Heidenheim-Ulm besteht ebenfalls alle 2 Stunden eine schnelle Verbindung an den Fernverkehrsknoten Ulm.

 

In Richtung Nord-Westen und die Mitte Deutschlands gibt es jedoch starke Anbindungsdefizite. Vor allem die Reisezeiten in Richtung Würzburg – Göttingen/Hannover/Hamburg sind trotz der augenscheinlichen geografischen Nähe bzw. geradlinigen Ausrichtung deutlich zu lang. Braucht man mit dem PKW von Aalen nach Würzburg ungefähr 1,5 Stunden, dauert die Fahrt mit dem Zug einschließlich mindestens eines Umstiegs zwischen 2,5 (IC,RB) und bis 3 (RE,RB) Stunden. Auch für regelmäßige, geübte Bahnfahrer ist dies kein annehmbares Angebot.

 

Die ungenügende Anbindung Ostwürttembergs in Richtung Norden wirkt sich ebenso im Raum Crailsheim und durch die bestehenden direkten Schienenstrecken bis an den Bodensee bzw. ins Allgäu aus. Gerade auch für die Bewohner der Räume um die die Oberzentren Ulm/Neu-Ulm, Ravensburg/Friedrichshafen, Memmingen und Kempten ist eine Verbesserung der Nordanbindung von großem Nutzen. Man kann davon ausgehen, dass von der Umsetzung nachstehender Vorschläge allein zwischen Ellwangen und Lindau ein Raum mit zirka 1,5 Mio. Einwohnern profitieren würde.

 

Fahrzeitbetrachtungen untermauern diese These. Schon heute ist trotz der erforderlichen abschnittsweisen Nutzung von Regionalzügen die Fahrzeit von Ulm nach Nürnberg über Aalen zwischen 2-12 Minuten schneller als mit dem ICE über Augsburg. Nach Würzburg ist die Reisezeit bei beiden Routen gleich. Preislich ist der Weg über Brenz- und Jagstbahn ebenfalls sehr interessant. Nach heutigem Preissystem ist bei regulären Fahrscheinen der Weg von Ulm nach Nürnberg oder Würzburg über Aalen für Fahrgäste zwischen 30 und 50 Prozent günstiger.

 

Die folgenden Überlegungen sollen aufzeigen, dass interessante Ansätze und Möglichkeiten bestehen, die bestehende ungenügende Situation zu verbessern, damit neue Kundenpotenziale zu erschließen und das System Bahn auf Achsen durch die Regionen Ostwürttemberg, Donau-Iller, Bodensee-Oberschwaben und dem östlichen Teil der Region Heilbronn-Franken zu stärken.

 

Zum Teil sind diese Vorschläge schon im politischen Raum diskutiert und als Forderung an die entsprechenden Stellen formuliert worden (siehe Anlagen). Der Initiativkreis Verkehr Ostwürttemberg will diese Ansätze aufgreifen und sowohl für deren Begründung als auch für die Umsetzung weitere Argumente liefern.

Schneller von der Ostalb nach Mittel- und Norddeutschland:

Eine schnelle Verbindung von Ostwürttemberg nach Mittel- und Norddeutschland ist via Brenz- und Jagstbahn durch ein einmaliges Umsteigen in Ansbach möglich. Dazu bedarf es grundsätzlich keiner Infrastrukturmaßnahmen, sondern lediglich Anpassungen im Betriebskonzept des Fernverkehrs. Die Verbindung würde sich auf dem Weg

Aalen – Ansbach (umsteigen) – Würzburg – Göttingen – Hannover – Hamburg

realisieren lassen.

Reisezeiten?

Mit einer besseren Verknüpfung in Ansbach bzw. der Einführung von ICE-Halten dort, ließe sich auf Grundlage der heutigen Fahrzeiten über diese Route ein Reisezeitgewinn für die Fahrgäste von ca. einer halben Stunde erreichen. Die Fahrzeit von Aalen nach Hannover betrüge ca. 4 h (wettbewerbsfähig mit Linienflug ab Stuttgart, bisher 4:30 h), von Aalen nach Hamburg wären es dann ca. 5:30 h (bisher 6:00 h). Legt man den „marktüblichen (häufigen) Weg“ aus der Region über Stuttgart zu Grunde, beträgt die Fahrzeit AA –HH derzeit ca. 7:00h. Somit wäre eine Reisezeitverkürzung von annähernd einer Stunde erreichbar.

 

Ähnliche Reisezeitreduzierungen gelten für Reisen mit Beginn in Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach, Ulm, Giengen, Heidenheim, Oberkochen und Ellwangen. Für Crailsheim und Ansbach verblieben ca. 30 Minuten Beschleunigung.

 

Dabei könnte ein weiterer positiver Effekt dadurch gegeben sein, dass sich für Crailsheim und Ansbach außerdem signifikante Verkürzungen der Reisezeiten in Richtung Frankfurt und Köln ergeben.

Was muss geschehen?

Durch die schon heute sehr starke Nachfrage in der Relation Süddeutschland – Hannover – Hamburg (sehr stark besetzte Züge und abgelehnte Platzreservierungen auch zur Mittagszeit außerhalb der Ferien!) erscheint eine Verstärkung des ICE-Angebots sinnvoll.

Diese Erweiterung sollte folgendermaßen gestaltet werden: Ergänzende ICEs München – Hamburg müssen den Nullknoten (9:00Uhr, 10:00Uhr usw.) in Würzburg anfahren und in Ansbach halten. Damit ergibt sich in Ansbach eine Übergangszeit vom IC aus Karlsruhe – Stuttgart – Aalen zum ICE nach Norddeutschland von ca. 15 Minuten.

In Würzburg müsste ein kurzer Übergang nach Frankfurt/Köln geschaffen werden.

Welche Fragen sind zu diskutieren?

Dem lange vertretenen Prinzip die Fernverkehrsrelationen auf wenige Umsteigeknoten zu konzentrieren widerspricht ein Umstieg in Ansbach. Der vorliegende Vorschlag zeigt jedoch auf, dass mit dieser Politik auch Potenziale vernachlässigt werden, die sowohl für die betroffenen Räume, aber auch für das System Bahn nutzbringend sind.

Auch die Bahnsteighöhen in Ansbach widersprechen der DB-Politik bezüglich ICE-Halten. Andererseits gibt es Beispiele für ICE-Halte an Bahnhöfen mit einer geringeren Einstiegshöhe. Hier ist zu prüfen, wie man kurzfristig einen Halt von ICE-Kompositionen realisieren kann. Eventuell wäre in Ansbach eine sowieso mittelfristig notwendige Anpassung der Bahnsteighöhe ggf. vorzuziehen. Andere Beispiele entlang der Strecke Stuttgart-Nürnberg zeigen auf, dass dies auch kurzfristig möglich ist.

Welches Gegenargument scheidet aus?

Fahrplantrassen zwischen Würzburg und Hannover sind soweit feststellbar in ausreichender Zahl vorhanden. Die Verfügbarkeit von Bahnsteigkanten wurde nur teilweise untersucht, kann aber nach grober Lagebeurteilung durchgehend angenommen werden.

Worauf ist zu achten?

Um dieses Konzept zu realisieren darf es nicht zu weiteren Verschlechterungen in der betrieblichen Flexibilität der betroffenen Strecken kommen. Ein wichtiges Beispiel dafür ist der anstehende Umbau des Bahnhofs Goldshöfe. So darf eine Anpassung der dortigen Gleisanlagen keinesfalls zu einer Destabilisierung des Fahrplans Aalen – Crailsheim – Nürnberg führen. Der weitere Rückbau von Gleisen und Weichenverbindungen ist aus dieser Sicht absolut kontraproduktiv.

Vorteil dieser Lösung?

Im Grunde sind für dieses Konzept keine Baumaßnahmen erforderlich. Lediglich die Züge sind zu stellen und der Fahrplan entsprechend angepasst werden.

Alternativen?

Wird die Verbindung über Ansbach nicht realisiert, wäre alternativ eine IRE-Verbindung (Aalen – ) Crailsheim – Lauda – Würzburg einschließlich der erforderlichen Streckenertüchtigung zu installieren.

Nächste Schritte:

Die deutlichen Erreichbarkeitsvorteile, die mit einer Verknüpfung in Ansbach sehr aufwandsgünstig zu realisieren wären, betreffen ein Gebiet mit zirka 1,5 Mio. Einwohnern. Die maßgeblichen Gremien und Körperschaften sind aufgerufen gemeinsam an einem Strang zu ziehen und entsprechende Verbesserungsvorschläge bzw. Forderungen an die DB AG zu richten. Diese Vorschläge sind im Grund nicht neu, sondern wurden auch von den politischen Vertretern der anliegenden Raumschaften formuliert. Nach verschiedenen Quellen sind insbesondere Vertreter aus Ostwürttemberg aber auch aus dem Raum Ansbach in dieser Richtung bereits aktiv.

Ausblick:

Die Einführung eines IRE nach Würzburg über Lauda wäre deutlich kostenintensiver, jedoch auch regionsspezifischer.

Eine Reisezeitverkürzung um eine weitere halbe Stunde wäre möglich, wenn die Gesamtfahrzeit Aalen – Ansbach – Würzburg um ca. 10 Minuten verkürzt werden könnte. Dies ist jedoch nicht ohne Maßnahmen in die Infrastruktur zu erreichen.

Der Initiativkreis Verkehr Ostwürttemberg unterstützt die Bemühungen zur Verbesserung der Fernverkehrsanbindung ausdrücklich und fordert eine konsequente Verfolgung dieser Idee im Sinne der Region Ostwürttemberg und der benannten Nachbarregionen.

Anlage - Berichte und Presemitteilungen zum Thema

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