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Eisenbahngeschichte(n) im Landkreis Göppingen
150 Jahre Eisenbahngeschichte
04.04.19 23:29 Uhr Alter: 138 Tage
Auf direktem Weg nach Triest
BSH Hausgeräte Das Giengener Werk sieht sich beim Thema „Güter auf die Bahn“ in einer Vorreiterrolle. Jetzt fährt ein Güterzug direkt an den italienischen Seehafen. Ein Ausbau der Brenzbahn wird erhofft.

Beim viel zitierten Motto „Güter auf die Bahn“ sieht man sich beim Giengener Standort der BSH-Hausgeräte in einer Vorreiterrolle.

Dies machte der Standortleiter Logistik, Frank Ratter, deutlich, als Unternehmen der Region dieser Tage ins BSH-Containerterminal eingeladen waren. Anlass war die Vorstellung der noch neuen direkten Güterzugverbindung von Giengen zum Seehafen Triest.

Seit vergangenem November wird diese Verbindung von der Firma Mediterranean Shipping Company (MSC) betrieben. Einmal wöchentlich fährt ein Zug die Strecke – er ist 20 Stunden zum italienischen Seehafen unterwegs, es muss unterwegs nirgendwo mehr umgeladen werden. Die bisher notwendigen 80 Lkw-Fahrten nach München mit wöchentlich 20 000 bis 25 000 Straßenkilometern entfallen so. Der Tiefseehafen von Triest als Tor zu Zentraleuropa ist für die Unternehmen interessanter geworden, seit dort die Infrastruktur ausgebaut worden sei, wurde erklärt.

Die Idee ist, einen zweiten Zug pro Woche auf die Schiene zu bringen. Weil aber nicht immer die gleiche Menge transportiert wird, werden weitere Nutzer gesucht, damit sich der Zug auch wirtschaftlich rechnet. Es gebe saisonale Schwankungen, sagte Ulf Büschking für MSC. Drittmengen würden benötigt. Hierzu wurde bei regionalen Unternehmen das Interesse abgefragt. Das erwies sich als groß angesichts wachsender Probleme auf den immer volleren Straßen.

Immer mehr Güterverkehr Hintergrund für die IHK Ostwürttemberg ist, dass das Güterverkehrsaufkommen seit Jahrzehnten wächst und ein Ende des Transportwachstums nicht in Sicht ist. Eine Lösung wäre, mehr Güterverkehr über die Schiene zu befördern. Hierüber – auch über die Rolle der Brenzbahn – diskutierten Vertreter von MSC, der BSH mit Frank Ratter und dem Leiter des BSH-Transportmanagements, Andreas Tonke, sowie den IHKs Ostwürttemberg und Ulm mit den Hauptgeschäftsführern Michaela Eberle und Otto Sälzle.

Die BSH fährt mit ihren Logistikpartnern auf der Schiene nicht nur nach Triest. Auf die Reise machen sich zu den Seehäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven drei bis fünf Nordzüge wöchentlich, zwei Züge in die Türkei. „Güter auf die Bahn, das wird hier gelebt“, sagte Frank Ratter.

Jährlich werden im Terminal 40 000 Container abgewickelt und damit den Straßen ebenso viele Lkw-Fahrten erspart. Das Verhältnis von Bahn- zu Lkw- Transporten beträgt im Export aktuell 60 zu 40 Prozent, so Ratter.

Kontinuierlich gewachsen Das Containerterminal im Westen des Betriebsgeländes der Giengener BSH ist im Lauf der Jahre kontinuierlich gewachsen.

In Betrieb ist es seit Mai 2008, 5000 Container wurden damals umgeschlagen. Zur ersten Erweiterung kam es nach einjähriger Bauphase 2010. Ergänzend wurden zwei mal 250 Meter neue Gleise verlegt, sodass auf dem Betriebsgelände so genannte Ganzzüge mit 740 Metern Länge abgewickelt werden können. Die Inbetriebnahme eines Leercontainerterminals im Jahr 2013 rundete den aktuellen Stand ab.

Frank Ratter, auch Vorsitzender des IHK-Verkehrsausschusses, würde ebenso wie die Hauptgeschäftsführer aus Heidenheim und Ulm, für eine weitere Stärkung des Güterverkehrs per Schiene einen Ausbau der Brenzbahn begrüßen. Er sagte, bei der geplanten halbstündigen Taktung des Personenverkehrs würde es schwierig, Güterzüge fahren zu lassen, zumal auf der Brenzbahn ein Nachtfahrverbot herrscht und dort auch Ganzzüge geteilt werden müssen. Zu hoffen sei auf die Politik. Michaela Eberle erinnerte an zunehmende Stauzeiten auf den Autobahnen sowie an den Mangel an Lkw-Fahrern, für sie alles gute Gründe für den Ausbau der Brenzbahn mit einem zweiten Gleis und der Elektrifizierung.

Hohe Exportquote Eberle erwähnte auch die Exportquote im produzierenden Gewerbe, die in Ostwürttemberg bei 55 Prozent liege. Man wolle einen attraktiven Standort für die Wirtschaft mit ihren Arbeitsplätzen sichern, dabei spiele auch die Brenzbahn eine große Rolle. Ergänzend ihr Kollege Otto Sälzle aus Ulm: „Ein Thema für die ganze Region.“   Größtes deutsches BSH-Logistikzentrum Der Anblick zum Beispiel von der Irpfel runter ins Brenztal ist beeindruckend: In Giengen befindet sich das größte deutsche Logistikzentrum der BSH. Auf einer Fläche von mehr als 20 Fußballfeldern werden Hausgeräte gelagert und in die ganze Welt transportiert.

 

INFO

Täglich (Stand 2018) verlassen 21 000 Großgeräte und 200 000 Kleingeräte den Standort, ein großer Teil davon über die Schiene.